Jedes Spiel ein Pokalspiel – SO will Hecking den VfL aus der Krise holen

Punkt 13:30 Uhr betritt Dieter Hecking den Presseraum. Der Raum ist so voll wie selten. Kamerateams und Journalisten erwarten ihn schon.

Mission Impossible – Coach Hecking im Anflug
Volles Haus am Dienstag im Medienraum des VfL

Mit einer gehörigen Portion Ruhrpott-Charme und klaren Worten hat sich Dieter Hecking als neuer Trainer beim VfL heute vorgestellt. Der erfahrene Fußball-Experte will die Mannschaft wieder auf Erfolgskurs bringen und setzt dabei auf starke Werte, klare Anweisungen und seine berüchtigte „Castroper Schnauze“. „Ich gehe unvoreingenommen an die Sache heran und erwarte, dass jeder Spieler sich voll reinhängt. Jeder hat die Chance, sich meiner Meinung anzuschließen – aber ich gebe die Richtung vor,“ so Hecking.

Gleichzeitig betonte er den Ernst der Lage: „Die Tabelle lügt nicht. Die Leistungen haben zu berechtigter Kritik geführt. Es ist meine Aufgabe, dass wir das ändern.“ In seiner Analyse sparte er nicht mit klaren Ansagen an die Mannschaft: „Wollen sie in der Opferrolle auftreten oder anfangen zu laufen? Ich will eine Einheit sehen, die als Team zusammensteht und für den Verein alles gibt!“

Besonders lobend äußerte er sich über die Spieler Sissoko und de Wit: „Das sind richtig gute Fußballer. Aber wo sind die Rollen? Wo sehen sie sich selbst? Da waren Vakanzen, die ich adressieren möchte.“ Für Hecking ist klar, dass das Team strukturiert werden muss, damit jeder Spieler genau weiß, welche Rolle er zu erfüllen hat.

Hecking legt Wert darauf, dass die Spieler sich in ihrer Position wohlfühlen und ihre Stärken optimal einbringen können. „Ich habe gern, dass die Spieler dort spielen, wo sie sich am wohlsten fühlen und glauben, dass sie dort die beste Qualität abrufen können,“ erklärte der Trainer. Für ihn ist das ein wichtiger Schritt, um das Maximum aus dem Team herauszuholen.

Der Coach bleibt zuversichtlich, dass sich aus dem Kader noch viel herausholen lässt: „Aus diesem Team kann man einiges holen. Es geht jetzt darum, die richtigen Stellschrauben zu drehen und das Potenzial auszuschöpfen.“

Auch äußerte sich der geborene Castroper zur prekären Lage des Vereins: „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Jedes Spiel ist ein Pokalspiel für uns. Ausscheiden verboten.“

Wirkte sichtlich angespannt. Geschäftsführer Ilja Kaenzig.

VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig kündigte an, dass die Wintertransferperiode entscheidend genutzt werden soll, um mehr Qualität ins Team zu bringen: „Wir haben genug Erfahrung und gute Netzwerke, um gezielt die Charaktere und Profile zu finden, die uns weiterhelfen.“ Der Druck auf alle Beteiligten ist hoch, aber die Entschlossenheit, die Situation zu meistern, scheint seit heute ungebrochen.

Dass Hecking Humor und Lockerheit nicht verloren hat, bewies er ebenfalls: Auf die Frage, wie viel er auf den VfL setzt, scherzte er: „Sechs Euro“, und erinnerte damit an ein prägendes Erlebnis aus der Relegation. Außerdem kündigte er an, dass Bier in der Kabine erlaubt sei: „Das gehört dazu für mich!“

Zur neuen Zusammenarbeit mit den Spielern äußerte sich Hecking optimistisch: „Ich habe den Kader heute kennengelernt und sehe viel Potenzial. Es geht darum, eine Einheit zu werden, um Punkte zu sammeln und dem VfL Bochum Leben einzuhauchen. Die Jungs müssen sich gemeinsam anstrengen und als Team auftreten. Wer das nicht will, ist hier fehl am Platz,“ so seine klare Ansage.

Als Herausforderung sieht Hecking vor allem die mentale Stärke des Teams: „Viele Dinge prallen inzwischen an mir ab. Ich will auf dem Platz stehen und den Spaß am Spiel vermitteln.“ Seinen Standpunkt untermauerte er mit einem Bekenntnis zur Leidenschaft und zum puren Fußball: „Wir wollen unangenehm sein und die Gegner unter Druck setzen. Es wird nicht der filigrane Fußball sein. Wir brauchen Leidenschaft und Emotionen, aber müssen auch Fußball spielen.“

Zum Abschluss machte Hecking klar, dass er als Anker und Hilfe für das Team da sein möchte: „Ich bin kein Messias, kein Zauberer. Wenn es gut läuft, kann man über einen Anschlussvertrag reden, aber darum geht es jetzt nicht. Mir ist wichtig, die Mannschaft zu stabilisieren und den Spaß zurückzubringen.“

Eines steht jedoch fest: Der erfahrene Coach hat die Ärmel hochgekrempelt und ist bereit, für den Klassenerhalt gemeinsam mit allen Spielern alles zu geben.

Sein Wunsch für Samstag: „Mir ist wichtig, wie tritt die Mannschaft auf. Welche Werte will die Mannschaft auf dem Platz liefern? Das will ich von ihr sehen“.

Sein erster Eindruck von heute kann somit allen Fans Mut machen, um die „Mission Impossible“ am Ende der Saison erfolgreich abzuschließen. Vielleicht startet sie ja schon am Samstag gegen Leverkusen…