Der VfL Bochum bleibt seiner Linie auswärts treu – leider im negativen Sinne. Auch bei Borussia Mönchengladbach setzte es gestern eine bittere 0:3-Niederlage, die den VfL weiterhin auf den letzten Tabellenplatz festnagelt. Platz 18, nur ein mageres Unentschieden und neun Niederlagen in zehn Auswärtsspielen – die Zahlen sind verheerend.
Während die Mannschaft zuhause mit zwei Siegen zumindest ein kleines Lebenszeichen sendet und in der Heimtabelle auf Platz 15 stehen würde, gleicht der VfL auf fremdem Platz einem Schatten seiner selbst.

Fehlende Konstanz und ein bitterer Rückfall
Das enttäuschende Ergebnis in Gladbach schmerzt besonders, weil die Bochumer im letzten Heimspiel gegen RB Leipzig ein starkes Signal gesendet haben. Mit drei Toren in einer fulminanten zweiten Halbzeit feierten sie ein unerwartetes 3:3-Unentschieden und schöpften neue Hoffnung im Abstiegskampf. Doch davon war in Gladbach nichts mehr zu sehen. Trainer Dieter Hecking zeigt sich nach dem Spiel entsprechend ernüchtert:
„Ich bin heute echt ernüchtert über den Auftritt meiner Mannschaft, wie lange nicht. Das war nach dem Spiel gegen Leipzig nicht so zu erwarten. Die erste halbe Stunde können wir ausgeglichen gestalten und haben zwei gefährliche Standardsituationen, wo wir das Tor nicht machen. Die Tore, wie wir sie heute bekommen, das ist nicht bundesligareif, so deutlich muss ich das formulieren. So holen wir auswärts keine Punkte, und dann wird es schwierig, den Klassenerhalt zu schaffen.“
Der fehlende Schwung aus dem Leipzig-Spiel verdeutlicht die größte Schwäche des VfL: die mangelnde Konstanz. Während zuhause zumindest oftmals die nötige Entschlossenheit und Struktur erkennbar sind, bleibt die Bochumer auswärts erschreckend harmlos.

Kevin Stöger: Der Unterschiedsspieler, den Bochum so sehr vermisst
Es ist eine bittere Ironie des Schicksals: Kevin Stöger, der einst als Herzstück im Mittelfeld des VfL agierte, zeigte ausgerechnet gestern im Trikot von Borussia Mönchengladbach, wie wertvoll er sein kann – und wie sehr er seiner alten Mannschaft fehlt. Beim 3:0 seiner Gladbacher war Stöger der entscheidende Mann. Er dirigierte das Spiel der Fohlen, brachte Ruhe und Struktur in das Mittelfeld und glänzte mit Übersicht, die dem VfL seit seinem Abgang spürbar abhanden gekommen ist.
Stöger macht den Unterschied
Von der ersten Minute an zeigte Stöger, warum er in Gladbach eine zentrale Rolle – wenn er spielen darf- einnimmt. Immer wieder forderte er die Bälle, verteilte sie clever und trieb das Spiel an. Seine Präzision in der Ballverteilung und sein Gespür für gefährliche Räume sorgten dafür, dass Gladbach immer besser ins Spiel kam. Beim Führungstreffer initiierte er mit einem perfekt getimten Pass die entscheidende Aktion. Dem VfL hingegen fehlt ein solcher Ideengeber, jemand, der das Spiel lenkt und die Mitspieler besser macht.
„Kevin hat heute gezeigt, wie wichtig ein spielintelligenter Mittelfeldspieler sein kann“, sagt Dieter Hecking nach dem Spiel. „Genau diese Qualität fehlt uns im Moment. Wir haben keinen, der das Spiel so strukturieren kann wie er. Das ist natürlich ein Verlust, den man spürt.“
Der VfL leidet seit Stögers Abgang sichtbar unter einem Kreativitätsloch im zentralen Mittelfeld. Während in der Vorsaison viele Angriffe von ihm eingeleitet wurden und er mit seiner Ballkontrolle und Spielübersicht ein verlässlicher Taktgeber ist, fehlt dem VfL in dieser Saison genau diese Qualität. Das Spiel aus der Defensive ins Mittelfeld ist oft zu behäbig, und der letzte Pass in die Spitze bleibt meist Stückwerk. Mit Stöger auf dem Platz hätte das Bochumer Offensivspiel mehr Struktur, mehr Ideen – und vor allem mehr Gefahr.
Auch Kapitän Anthony Losilla sieht die Lücke, die Stöger hinterlassen hat: „Kevin war jemand, der immer den Ball haben wollte, selbst unter Druck. Er hat uns als Mannschaft viel Sicherheit gegeben, weil wir wussten, dass er das Spiel lenken kann. Genau das fehlt uns im Moment.“
Ein schmerzlicher Verlust
Die Leistung von Stöger im Gladbach-Trikot ist eine Erinnerung daran, wie wichtig er für den VfL war – und wie sehr er jetzt fehlt. Während er in Gladbach das Spiel orchestriert und den Unterschied machte, sucht Bochum verzweifelt nach einer neuen Leitfigur im Mittelfeld. Doch bisher ist niemand in der Lage, diese Rolle auszufüllen.
Die Zahlen sprechen gegen Bochum
Die Bilanz spricht eine klare Sprache: Bochum holt auswärts in dieser Saison nur einen Punkt und kassiert dabei satte 26 Gegentore. Auch offensiv bleibt das Team blass. In Gladbach fehlte es erneut an Durchschlagskraft. Zwar erspielte sich der VfL in der Anfangsphase durch Standards zwei gute Möglichkeiten, doch danach kam -wie so oft- offensiv kaum noch etwas.
„Es hat der letzte Wille gefehlt, unser Tor zu verteidigen. Insgesamt ist es heute zu wenig. Wir müssen dringend auswärts anfangen zu punkten. Es war wieder ein Rückschlag, aber wir werden nicht aufgeben“, analysiert Kapitän Anthony Losilla. Er weiß, dass die Heimbilanz allein nicht reichen wird.
Zuhause zeigt Bochum mit zwei Siegen, dass das Team durchaus konkurrenzfähig sein kann. Diese Punkte würden – rein rechnerisch – sogar Platz 15 bedeuten, noch vor den anderen abstiegsbedrohten Mannschaften. Doch das bringt wenig, wenn auswärts nichts Zählbares hinzukommt. Und am Ende zählt nicht nur die Heimtabelle.
Ursachen der Auswärtsmisere
Die Frage bleibt: Warum agiert der VfL Bochum zuhause deutlich stärker als auswärts? Natürlich ist der Einfluss der Bochum-Fans ein großer und entscheidener Faktor, doch das allein kann nicht die Erklärung sein. Das Team wirkt auf fremden Plätzen oft verunsichert und nicht mutig genug, um die eigene Spielweise durchzuziehen. Hinzu kommen wiederkehrende individuelle Fehler, die zu einfachen Gegentoren führen. Trainer Hecking spricht nach dem Spiel von fehlender „Bundesliga-Reife“ bei den Gegentoren – ein harter, aber richtiger Vorwurf.
Auch Maxi Wittek zeigt sich nachdenklich: „Im Endeffekt ist es von uns heute zu wenig und für Gladbach zu einfach, Tore zu schießen. Wir müssen uns kritisch hinterfragen, warum wir es auswärts nicht schaffen, ansatzweise das auf den Platz zu bringen, was wir zuhause schaffen. Fakt ist, dass wir es in diesem Jahr noch nicht ansatzweise geschafft haben.“
Ein weiterer Faktor ist die fehlende offensive Durchschlagskraft. Während zuhause zumindest phasenweise gefährliche Angriffe gelingen, bleibt Bochum auswärts meist harmlos. Der Übergang von der Defensive ins Angriffsspiel ist oft zu langsam, die Kreativität im Mittelfeld fehlt, und in der Spitze mangelt es an Präzision und Zielstrebigkeit.

Der Blick nach vorne – Hoffnung auf das Heimspiel
Am kommenden Wochenende steht wieder ein Heimspiel (gegen Freiburg) an, wo der VfL bislang deutlich stabiler auftritt. Mit zwei Siegen zuhause würde Bochum, rein rechnerisch, sogar auf Platz 15 stehen – und das vor allen anderen abstiegsbedrohten Mannschaften. Doch selbst das wird nicht reichen, wenn auswärts weiterhin nichts Zählbares herausspringt.
„Es war heute wieder ein Rückschlag, aber wir werden nicht aufgeben. Wir sind immer noch da und müssen weiter an uns arbeiten“, sagte Losilla nach der Partie. Diese kämpferische Einstellung ist ein Anfang, doch sie allein wird nicht reichen. Trainer Dieter Hecking und das Team müssen schnellstmöglich einen Weg finden, das Leistungsniveau auch auswärts anzuheben. Eine Verbesserung der Defensive, mehr Mut im Spiel nach vorne und eine klarere Spielidee könnten entscheidende Hebel sein. Und viel wichtiger: Die Frage lösen und antworten finden, warum es auswärts nicht gelingt.
Die Zeit wird knapp, der Druck steigt. Eigentlich so wie immer. Doch eins ist jedoch klar: Ohne ein anderes Gesicht – vor allem in fremden Stadien – wird der VfL den Abstieg kaum verhindern können.

Fotos: Sebastian Sendlak