
Das Derby ist vorbei. Ohne Punkte für den VfL. Aufbruch oder Zweifel? Ein Blick zurück und nach vorne.
Drei Spieltage sind gespielt und ein Pokalabend – die Bochumer haben eine turbulente Saisoneröffnung hinter sich. Mal kämpferisch, mal fahrig, mal clever, mal naiv. Das Bild: der VfL, der noch nicht weiß, ob er ganz oben mitspielen oder im grauen Zweitliga-Mittelfeld versinken wird.
Vom Fehlstart zur Pflichtaufgabe
Der Auftakt in Darmstadt (1:4) war ein Schlag ins Gesicht für alle Fans: zu viele Lücken im Zentrum, zu wenig Kontrolle bei zweiten Bällen. Schon da wurde klar: Bochum braucht mehr Stabilität, wenn man ernsthaft um den Aufstieg mitreden will.
Wenig später folgte ein 2:0-Heimsieg gegen Elversberg. Ordnung und Geduld waren vorhanden, doch das Spiel wirkte schwerfällig. Erst ein Treffer von Sissoko brachte Ruhe, Holtmann setzte spät den Schlusspunkt. Ein Sieg zum Durchatmen, aber kein Signal der Stärke.
Pokalabend mit Beigeschmack
Das Weiterkommen in Berlin gegen Regionalligist Dynamo (3:1 nach Verlängerung) brachte den Bochumern Geld und Pflicht erfüllt – doch sportlich blieben weiter Fragezeichen. Noch bitterer: Der Schlüsselspieler im Mittelfeld, Ibrahima Sissoko, verletzte sich schwer an der Schulter. Ein Ausfall, der sportlich wie finanziell wiegt.
Das Derby: Mut – und Angst vorm Risiko
Auf Schalke zeigte der VfL gestern sein bisher reifstes Spiel. Taktisch flexibel, aggressiv im Pressing, lange sogar die etwas bessere Mannschaft. Der Führungstreffer nach einem starken Angriff über mehrere Stationen wirkte wie ein Befreiungsschlag. Gerrit Holtmann jubelte.
Doch dann fehlte der Killerinstinkt. Wieder einmal. Statt nachzulegen, zog sich Bochum weiter zurück. Die Wechsel nahmen dem Spiel Struktur, der Rückraum bei Standards blieb offen. Ein abgefälschter Schuss und ein tiefer Ball in die unsortierte Abwehr – schon war das Derby gegen Schalke verspielt. Und die waren nicht wirklich besser.

Kader und Konzept: Wo es hakt
Die Mannschaft hat Substanz – vor allem in der Abwehr und im Zentrum. Aber das Gesamtgefüge zeigt Brüche:
- Tempo nach vorn fehlt.
- Kreativität im letzten Drittel bleibt Mangelware.
- Tiefe im Kader ist kaum vorhanden, Verletzungen wie die von Sissoko, Kwarteng oder Miyoshi treffen hart.
Trainer Dieter Hecking setzt auf klare Strukturen, doch die Anpassung an Zweitliga-Tempo wirkt noch nicht abgeschlossen. Der Plan mit Kevin Vogt als Fixpunkt kostet Ressourcen, trägt aber bislang nicht wie erhofft. Zu viele Fehler mit Toren sind schon gefallen. Ein guter Abwehrchef agiert anders.
Hoffnungsträger?
Trotzdem: Es gibt auch weiter Lichtblicke.
- Cajetan Lenz überzeugt mit Passqualität und Mut im Aufbau.
- Kjell Wätjen zeigt reife Läufe und Dynamik.
- Maxi Wittek brachte als Halbverteidiger wieder Tempo und Stabilität.
Sie deuten an, dass der VfL Lösungen im eigenen Kader finden kann – wenn die Rollen klar gesetzt werden. Aber eins ist auch klar. Ein neuer Stürmer muss zwingend kommen. Hofmann müht sich wirklich, nur ohne zwingendes Ergebnis.

Fazit: Noch nicht am Boden, aber im Zweifel
Der VfL hat Haltung, doch (noch) keine Konstanz. Drei Spiele, drei Gesichter: chancenlos in Darmstadt, kontrolliert gegen Elversberg, stark und naiv zugleich auf Schalke.
Das Problem ist weniger die Idee als ihre Wiederholbarkeit. Ohne Tempo und Kreativität wird ein guter Platz oder sogar ein möglicher Aufstieg schwer. Ohne Kaderergänzungen könnte schon bald Ernüchterung einkehren.
Noch ist nichts verloren – aber die nächsten Wochen entscheiden, ob die Bochumer einen holprigen Start korrigiert oder ob man bald von einem Fehlstart sprechen muss. Ein „Bochumer Herbst“ könnte schneller kommen, als den Verantwortlichen lieb ist. Samstag kommt Preußen Münster. Und ein Sieg ist dort Pflicht..
Fotos: Sebastian Sendlak