Ein Abend, der alles hatte – außer der erhofften Wende für den VfL. Nürnberg drückte – am Ende traf der Club in der Nachspielzeit: Adriano Grimaldi nickte zum 2:1 (90.+2.). Zuvor hatte Julian Justvan die Franken in Führung gebracht (68.), Ibrahim Sissoko glich per Elfmeter aus (86.).
Was das Ergebnis über Bochum verrät
• Neuer Trainer, alter Trend: Auch unter Interimstrainer David Siebers (nach der Entlassung von Dieter Hecking) bekam der VfL die wiederkehrenden Muster nicht in den Griff: zu passiv nach Ballgewinnen, zu wenig Präsenz in den Halbräumen, zu nervös in der Schlussphase.
• Daten, die wehtun: Nürnberg hatte mehr Kontrolle und Durchschlagskraft – 59% Ballbesitz, 20:13 Torschüsse, 8:1 Schüsse aufs Tor, 8:5 Ecken. Das Bild ist eindeutig: Der VfL kommt weiterhin viel zu selten in gute Abschlusspositionen.
• Strukturelle Schieflage: Selbst mit frischem Impuls von der Seitenlinie fehlt die Basis. In der Kaderachse knirscht es – personell wie profiltechnisch. Auch die jüngste Trennung von Hecking (und Kritik an der Kaderplanung) unterstreicht, dass das Problem viel tiefer liegt als „nur“ an der Coaching-Zone.
Warum der „neue-Trainer-Effekt“ ausblieb
Coach Siebers stellte um, stabiler wurde es trotzdem nicht dauerhaft. Bochum verteidigte phasenweise tiefer, kam aber zu selten sauber durch das Mittelfeld; Verbindungen zwischen Sechserraum und Angriff blieben brüchig. Nach dem 1:1 verlor das Team erneut die Ordnung – und wurde in einer wilden Schlussphase bestraft. Kurz: Der angekündigte Energie-Schub war (noch) nicht sichtbar.
Der Kader auf dem Prüfstand
Die Partie legt offen, was die Tabelle schon andeutet: In der aktuellen Zusammenstellung hat der VfL Mühe, zweitligataugliche Konstanz zu entwickeln. Profile überlappen, Kreativitätsträger fehlen, und auf Schlüsselpositionen (Innenverteidigung/Sechser/Verbindungsspieler) sind weder Physis noch Spielstärke im nötigen Mix vorhanden.
Statt Befreiungsschlag bleibt weiter für alle Fans ein Fragezeichen: Der neue Impuls mit Siebers verpuffte, die Kaderstatik wackelt weiterhin – und genau daran entscheidet sich, ob der VfL den Kurs dreht.
Gelegenheit zur Besserung gibt’s nächsten Samstag, 27. September, 20:30 Uhr, im Topspiel gegen Fortuna Düsseldorf im Vonovia Ruhrstadion: Dann braucht Bochum eine stabilere Restverteidigung, mehr Durchschlagskraft aus dem Zentrum – und endlich Chancen für den Sturm.
Für Coach David Siebers bleibt eine Woche, in der er sichtbare Lösungen liefern muss, damit seine Handschrift die Wende bringt. Sonst wird sein Auftritt auf der Bundesliga-Bühne ein kurzer.