Kein Gala-Aufritt gegen Dresden – VfL stolpert zu Hause

Ein Flutlichtspiel hat immer einen besonderen Charme. Eigentlich. Alles war gedanklich vorbereitet für den nächsten Schritt nach vorn – geworden ist es ein schmerzhafter Rückschlag.

Der VfL Bochum verliert sein Heimspiel gegen Dynamo Dresden mit 1:2, kassiert die erste Niederlage unter Trainer Uwe Rösler und bekommt vor allem in der ersten Halbzeit den Spiegel gnadenlos vorgehalten.

Und wie so oft, hilft der VfL anderen Vereinen, die in der Krise stecken: Dresden beendet seine Serie von neun sieglosen Spielen – mit maximaler Effizienz und dem Keeper Lennart Grill, der zur Wand für die Kicker der Bochumer wurde.

30 Minuten Tiefschlaf des VfL

Es passte zur gesamten ersten Hälfte, dass der Anfangsbefehl „Vollgas“ für Bochum sinnbildlich erst nach der Pause zu kommen schien.
Knapp 30 Minuten war von der Wucht der vergangenen Wochen nichts zu sehen. Die offensiven Abläufe griffen nicht, das Pressing kam zu spät oder gar nicht – und hinten war jeder lange Ball ein gefühlt kleiner Stresstest.

Coach Uwe Rösler ordnete das später so ein:
„Die ersten 10–15 Minuten waren wir noch gut, wir hatten ein gutes Momentum. Und dann hatten wir 30 schlechte Minuten. Wir haben keinen Druck erzeugt, das Kollektiv gegen den Ball, die Abläufe waren nicht gut, nicht klar genug.“

Mitkonkurrent Dresden, zuletzt verunsichert, wirkte plötzlich wie die Mannschaft mit breiter Brust. Die Gäste standen tief, kompakt – und nutzten jede Bochumer Unsicherheit. Die Führung fiel nach einer Kombination aus Fehlerkette und Pech: Ein umstrittener Einwurf, eine unzureichend verteidigte Flanke, ein Strafraum, in dem der VfL den Ball nicht geklärt bekommt – und schließlich ist Alexander Rossipal da und trifft zum 0:1.

Es blieb kein Ausrutscher. Dynamo dominierte das Zentrum, lief Bochums Aufbau geschickt an und setzte immer wieder Nadelstiche über die Außen. Noch vor der Pause rettete Timo Horn mehrmals stark, doch in der Nachspielzeit war auch er machtlos: Wieder darf Rossipal flanken, diesmal vollendet Vincent Vermeij technisch stark zum 0:2. Bochum steht Spalier.

„Wenn die halbe Mannschaft zwei Wochen nicht da ist, kann ich nicht alles voraussetzen, mit einem Training vorm Spiel“, sagte Rösler mit Blick auf die Nationalspieler, die erst spät zurückkamen. „Wir haben überhaupt nicht die Trigger gefunden, die wir sonst gefunden haben – Abklemmen, auf Rückpässe gehen, durchschieben. Das haben wir nicht geschafft.“

Ob es am Länderspiel-Marathon lag, an müden Beinen oder einfach einem „gebrauchten Tag“ – die erste Halbzeit war für den VfL ein kollektiver Blackout.

Frischzellenkur zur Pause

Nach dem Seitenwechsel wirkte es aber, als hätte jemand einen anderen VfL eingewechselt. Coach Rösler brachte Koji Miyoshi und Philipp Hofmann – und auf einmal war endlich Leben im Bochumer Spiel. Der Trainer lobte seinen Joker Moyoshi hinterher ausdrücklich:
„Ich glaube, seine Einwechslung hat uns geholfen. Sehr belebend, überall, Qualität am Ball. Schade, dass er das Tor nicht macht, aber er war eine gute Einwechslung – mich überrascht das nicht, ich sehe das seit Wochen im Training.“

Miyoshi wirbelte über rechts, Hofmann band die Dresdner Innenverteidiger – und Dynamo geriet ins Schwimmen. Nach einer Ecke und einer scharfen Hereingabe landete der Ball bei Eigengewächs Cajetan Lenz, der zum 1:2 einschob. Das Stadion war da, die Mannschaft auch.

Jetzt war es ein Spiel auf ein Tor. Mats Pannewig vergab gleich mehrere Riesenchancen, Hofmann köpfte knapp vorbei, Philipp Strompf zwang Lennart Grill zu einer Glanztat. Der Dresdner Torhüter wuchs in dieser Phase über sich hinaus, fischte einen Kopfball nach dem anderen aus der Luft – und wurde zum unüberwindbaren Hindernis.

Elfmeter-Drama statt Happy End

Der Moment, der alles hätte drehen können, kam in der 75. Minute. Grill ließ einen Rückpass verspringen, räumte den nachsetzenden Hofmann im Strafraum ab – Elfmeter für Bochum. Die perfekte Chance, eine verschlafene Halbzeit zu korrigieren.

Francis Onyeka trat an – und setzte den Ball links am Tor vorbei.

Es passte zu einem Abend, an dem der VfL zwar am Ende Moral zeigte, aber mit seinen Möglichkeiten fahrlässig umging. Rösler brachte es mit einem Blick auf Zahlen und Realität auf den Punkt:
„In der zweiten Halbzeit waren wir total am Drücker. Warum wir nicht mindestens ein Unentschieden geholt haben, ist klar: Wir haben 23 Mal aufs Tor geschossen und dreimal das Tor getroffen, Dresden hat 11 Torschüsse und vier oder fünf Mal das Tor getroffen. Egal, ob du einen X-Faktor von 2,84 hast – wenn du das Tor nicht triffst und den Keeper nicht öfter testest, holst du maximal einen Punkt.“

Nur: An diesem Abend reichte es nicht einmal dafür.

Selbstkritik statt Alibis

Mit offenem Visier suchte Coach Rösler nach Abpfiff auch keine Ausreden – weder bei der umstrittenen Einwurf-Entscheidung vor dem 0:1 noch beim offensichtlich betriebenen Zeitspiel der Gäste in der Schlussphase. Zwar monierte er, dass das „Zeitspiel nicht unterbunden“ worden sei und kassierte für seinen Protest eine Gelbe Karte, doch die Kernbotschaft war eine andere.

„Ich mache der Mannschaft keinen Vorwurf“, betonte der Trainer. „Die hat alles auf dem Platz gelassen. Die zweite Halbzeit war sehr gut aus meiner Sicht. Aber das zweite Tor vor der Pause – das war der Killer für uns.“

Gleichzeitig nahm er sich selbst mit in die Pflicht:
„Ich muss mich selber auch hinterfragen. Vielleicht hätte ich Wechsel von Anfang an schon machen sollen. Ich lerne dazu, auch in meinem Alter – und ich lerne über meine Spieler.“

Zwischen Warnschuss und Mutmacher

Die aktuelle Tabelle kennt keine Zwischentöne: Die kleine Erfolgsserie unter dem neuen Trainer ist gerissen, die Chance, sich zu aus dem unteren Tabellenkeller zu lösen, ist vorerst vertan.

Für den VfL bleibt ein ambivalentes Gefühl:
Eine erste Halbzeit, in der das Team „überhaupt nicht im Spiel“ war, wie Keeper Timo Horn selbstkritisch einräumte – und eine zweite Halbzeit, in der Bochum den Gegner nahezu einschnürte und „Chancen genug hatte, um das Spiel noch zu drehen“.

Vielleicht ist genau das die Lehre des gestrigen Abends:

Dass in dieser Konstellation genug Qualität im Bochumer Kader steckt, um Spiele zu drehen – aber auch, dass in der 2. Liga 30 verschlafene Minuten, ein „gebrauchter Tag“ und ein verschossener Elfmeter reichen, um einen eigentlich möglichen Heimsieg zu verspielen.

Die gute Nachricht für Rösler: Die zweite Halbzeit taugt alsMutmacher.
Die schlechte: Für die nächste Aufgabe wird er seiner Mannschaft klarmachen müssen, dass ein Spiel nun mal aus 90 Minuten besteht. Die nächste Chance für einen besseren Auftritt gibt es nächsten Samstag gegen Greuther Fürth.