Bochums Trainingslager-Bilanz vor dem Heimflug

Belek. Der letzte große Reiz ist gesetzt, die Beine sind schwer bei den Profis, die Abläufe sitzen – und in den Gesichtern liegt bereits dieses leise „Bald wieder Zuhause“.

Der VfL Bochum biegt im Trainingslager an der türkischen Riviera auf die Zielgerade ein. Am Sonntag endet der Aufenthalt, am späten Nachmittag soll es gegen 17 Uhr zurück in den Flieger Richtung Heimat gehen. Dazwischen: ein letzter Feinschliff – und das Testspiel, das am Samstag noch einmal zeigte, woran Bochum in der Rückrunde gemessen werden will. Und wo es noch Arbeit gibt.

Der heutige Test: 2:1 gegen Aachen – kein Schaulaufen, sondern ein echter Prüfstein

Auf einem Platz, der eher nach Arbeitsnachmittag als nach Fußball-Event aussah, lieferte der VfL gegen Alemannia Aachen einen Test, wie ihn Trainer Rösler liebt: griffig, manchmal unruhig, oft lehrreich. Der VfL gewinnt am Ende 2:1, aber wer nur das Ergebnis liest, verpasst die Geschichte dahinter. Aachen spielte frech, suchte Abschlüsse, blieb im Spiel – und zwang den VfL mehrfach dazu, sauber zu verteidigen und im eigenen Rhythmus zu bleiben.

Der Auftakt gehörte Bochum: Onyeka traf früh zur Führung (11. Minute) – nach einer Hereingabe und einem kurzen Querpass, der den Abschluss aus kurzer Distanz möglich machte. Doch das Tor wirkte nicht beruhigend, eher wie ein Weckruf für den Gegner. Aachen antwortete sofort: Loune stellte nur fünf Minuten später auf 1:1 (16.), kalt vor dem Tor, keine Hektik, kein Zögern. Bochum war plötzlich in einem Spiel, das mehr Testspiel-Charakter ablegte, als man es in Trainingslager-Wochen oft sieht.

Dass am Ende trotzdem Bochum jubelte, hatte weniger mit Dominanz zu tun als mit einem Moment – und der Fähigkeit, ihn zu nutzen. Nach der Pause wurde es zäher, umkämpfter. Und dann kam Miyoshi: 2:1 (72.), der Treffer, der das Spiel entschied – eine Szene, nach der Aachen noch diskutierte, Bochum aber schon weiterspielte. Genau diese Sekunden, diese Wachheit, sind in der Liga später Punkte wert. Ein Tor das gut tat.

Callum Marshall setzt sofort ein Ausrufezeichen – Rakneberg sammelt Minuten

Für alle Bochum-Fans steckte in diesem Test noch mehr als ein Ergebnis. Neuzugang Callum Marshall gab seinen ersten Eindruck im VfL-Trikot, kam zur zweiten Halbzeit – und hatte kurz darauf das dritte Tor auf dem Fuß. Sein Abschluss wurde stark pariert und landete am Pfosten. Es war eine dieser Szenen, die im Trainingslager sofort Gespräche auslösen: Weil sie zeigt, dass einer da ist, der Tempo mitbringt – und sofort Gefahr herstellen kann.

Auch Neuzugang Mikkel Rakneberg bekam seine Minuten, kam in der Schlussphase hinein. Für ihn geht es weniger um spektakuläre Aktionen als um etwas, das man von außen oft unterschätzt: Timing, Laufwege, Abstimmung – dieses unsichtbare Einrasten ins System. Trainingslager sind für Neuzugänge nicht romantisch. Sie sind das schnellste Klassenzimmer im Profifußball.

Endspurt vor dem Rückflug

Und so ist dieser heutige Samstag in Belek mehr als ein Häkchen im Plan. Er ist das Signal: Die harte Arbeit liegt hinter dem VfL, jetzt folgt die letzte Ordnung. Am Sonntag wird noch einmal trainiert, dann endet das Camp – und am frühen Abend geht es heimwärts.

Bochum verlässt Belek nicht mit großen Überschriften, sondern mit etwas, das in Winterwochen zählt: einer spürbaren Grundspannung, einem Test unter Widerstand – und dem Gefühl, dass die Mannschaft weiß, worum es in den kommenden Wochen geht. Das 2:1 gegen Aachen war dabei kein Glanzstück. Aber genau deshalb passt es so gut zu einem Trainingslager: Es war ehrlich.

Und Trainer Uwe Rösler wird mit vielen wichtigen Erkenntnissen in die Rückrunde gegen Darmstadt starten können. Ein guter Start in die Rückrunde würde allen VfL-Fans sicherlich gefallen…

Fotos: VfL Bochum 1848