Manchmal fühlt sich ein Fußballspiel an, als würde man gegen eine Wand anlaufen. Und manchmal hat diese Wand sogar einen Namen. Torwart Dennis Seimen. Der Torwart des SC Paderborn wurde heute im Ruhrstadion zur Schlüsselfigur eines 0:0, das für die Bochumer gleichzeitig bitter und ermutigend war.
Bitter, weil der VfL dieses Spiel gewinnen muss. Ermutigend, weil die Bochumer erneut gezeigt haben, wie schwer sie unter Uwe Rösler zu schlagen sind – und wie viel Stabilität und Wucht inzwischen in dieser Mannschaft steckt.
Der Auftakt hatte direkt Zündstoff: Schon in der ersten Minute tauchte Koji Miyoshi gefährlich vor Seimen auf. Ein Start, der den Ton setzte – nur eben ohne Ertrag. Danach folgte eine Phase des Abtastens, danach wurde es wieder zwingender und das Spiel kippte zunehmend in Richtung VfL.

„Der Ansatz des Pressings war zuerst nicht optimal. Als wir es verstanden haben, waren wir richtig gut“, sagte Coach Uwe Rösler später – und genau so fühlte es sich an: Bochum wurde griffiger, erzwang Ballverluste, kam über Umschalten und zweite Bälle immer wieder in gute Zonen.
Bochum gegen Paderborns Torwart Seimen – ein Duell, das kein Ende fand
Und dann begann das, was sich wie ein roter Faden durch den Nachmittag zog: Chance um Chance – und Seimen immer da. Philipp Hofmann scheiterte nach starker Aktion (37.), Miyoshi fand gleich mehrfach keinen Weg vorbei am Keeper (40., 44.). Egal ob flach, platziert, aus dem Gewusel oder nach Hereingabe – Paderborns Schlussmann war immer zur Stelle.
Seimen machte nach der Pause genau dort weiter, wo er aufgehört hatte. Wieder Miyoshi, wieder eine Hereingabe, wieder der Keeper als Sieger. Es war, als hätte Paderborn das Tor abgeschlossen und den Schlüssel verlegt.
Die Bochumer ließen sich vom ausbleibenden Treffer nicht beirren, suchte weiter den Weg nach vorne – und rannte weiter an. Gerrit Holtmann hatte in der 60. Minute gleich zwei dicke Möglichkeiten, doch wieder fehlten Zentimeter, Ruhe oder eben das Quäntchen Glück.
Rösler brachte Callum Marshall, später gab es bis tief in die Nachspielzeit nochmal Druck. Und als Maximilian Wittek in der Schlussphase noch einmal zum Abschluss kam, stand da wieder diese Wand. Seimen. Der Nachmittag passte perfekt zum Motto: vernagelt.
„Das war heute leider das Problem, dass wir aus den zahlreichen Chancen kein Kapital geschlagen haben“, so ein nicht wirklich glücklicher Trainer Rösler.
Als wäre das torlose Ende nicht schon genug, gab es auch personell schlechte Nachrichten: Koji Miyoshi fehlt mit Gelbsperre im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Und auch Philipp Strompf sah Gelb und ist ebenfalls gesperrt. Zwei Ausfälle, die wehtun – gerade weil Miyoshi einer der Aktivposten war und Bochum viel Präsenz in den Duellen hatte.
Besonders bitter: In der 30. Minute lag der Moment des Spiels schon in der Luft. Hofmann behauptete im Mittelfeld den Ball, schickte Miyoshi, der im Strafraum an seinem Gegenspieler vorbeiging – Handspiel, Elfmeter? Ja. Aber dann kam die Korrektur: Abseits. Knapp. Und wieder blieb das Tor zu.

Coach Rösler blieb trotz allem klar im Ton: viel Lob, aber auch der Anspruch, mehr herauszuholen. „Wir hatten 22 Torschüsse, davon neun aufs Tor“, sagte er – und machte deutlich, dass er das Glas halbvoll sieht: Solange der VfL solche Chancen kreiert und dynamisch bleibt, wird er Punkte holen.
Stürmer Hofmann brachte es passend auf den Punkt: „Paderborn hatte heute einen sehr guten Torwart hinten drin“, aber auch: Im Sechzehner müsse man cleverer werden, genauer, ruhiger.
Und Holtmann erinnerte an die alte Fußballregel – nur um sie gleich zu widerlegen: Normalerweise wirst du bestraft, wenn du vorne nicht triffst. Bochum aber blieb defensiv stabil. Neun Spiele ungeschlagen – und auch dieses 0:0 fühlt sich eher nach verpasster Sieg als nach glücklichem Punkt an.
Fazit: Bitteres 0:0 – aber ein Auftritt, der weiter allen VfL- Fans richtig Mut machen kann.
Ja, das Tor war heute wie vernagelt. Ja, Torwart Seimen wird den Bochumern noch im Kopf bleiben. Aber der VfL hat eine Top-Mannschaft der Liga über weite Strecken kontrolliert, sich viele Chancen erarbeitet und hinten erneut kaum etwas zugelassen. Wenn diese Mischung aus Stabilität und Mut nach vorne bleibt, kann man weiter träumen. Von was, das kann jeder Bochum-Fan selbst entscheiden.

Fotos: Sebastian Sendlak