Was für eine Erleichterung für Coach Uwe Rösler! Dem Bochumer Trainer fiel nach dem spektakulären 3:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern sichtbar ein Stein vom Herzen. Nach einer Serie von Unentschieden und zuletzt einer enttäuschenden Leistung in Düsseldorf gelang dem VfL endlich wieder ein Heimsieg – und der fühlte sich für Rösler besonders wichtig an. Gerade für seine junge Mannschaft sei es enorm wertvoll gewesen, mit so viel Energie und Leidenschaft zurückzuschlagen, so der Trainer in kleiner Medienrunde. Das Spiel von gestern sei ein echter Lernerfolg für alle gewesen, nachdem es zuletzt nicht rund lief.
Der gestrige Lautern-Krimi machte seinem Namen aller Ehre. Topspiel. 20:30 Uhr. Flutlicht. Ausverkauft. 26.000 Zuschauer. Uwe Rösler: „Es war ein sehr unterhaltsames Spiel zur Primetime. Das war gute Werbung für die 2. Bundesliga.“
Erst Bochumer Dominanz, dann Lauterer Kaltschnäuzigkeit – und schließlich ein VfL mit alten Tugenden, die nach Rudelbildung, Ausgleich und Ekstase plötzlich wieder an sich glaubten.

Uwe Rösler zur umstrittenen Szene an der Seitenlinie: „Ich werde mich nie hinstellen – egal ob wir gewonnen oder verloren haben – und sagen, dass man für so eine Aktion eine rote Karte geben muss. Das war für mich gar nichts. Natürlich kann es mit den heutigen Regeln schon mal passieren, dass man für so etwas Rot sieht.
Ich habe in der Situation nur eingegriffen, um meinen Spieler zu schützen. Callum Marshall stand eigentlich auf der Kippe, überhaupt im Kader zu sein. Wir haben einen Weg gefunden, ihn fit zu bekommen – und dann macht er auch noch das Tor für uns, das war natürlich überragend. Aber er war in der Situation völlig aufgeladen. Ich hatte wirklich Angst, dass er die rote Karte bekommt. Deshalb habe ich versucht, ihn da einfach wegzuziehen. Für mich persönlich wäre das als Schiedsrichter gar nichts gewesen – ich hätte da nichts gegeben.“
Alles hatte nach Bochumer Wunsch begonnen. Der VfL legte furios los, presste hoch, war griffig in den Zweikämpfen und ging früh durch Philipp Hofmann in Führung. Der VfL gab in der Anfangsphase klar den Ton an und kontrollierte Ball und Tempo. Doch genau in der Phase, in der die Truppe von Rösler eigentlich auf das 2:0 drängte, schlug Kaiserslautern eiskalt zu: Norman Bassette traf zum 1:1. Noch bitterer für den VfL: Kurz nach der Pause drehte FCK-Kapitän Marlon Ritter mit einer sehenswerten Einzelaktion die Partie auf 2:1.
Und dann kam dieser Moment, der das Spiel komplett veränderte. Eine hitzige Szene an der Seitenlinie, viel Geschiebe, viel Geschrei, geladene Emotionen – und plötzlich kochte das Ruhrstadion über. Genau daraus zog Bochum neue Wucht. Erst traf Joker Callum Marshall in der 66. Minute zum 2:2, nur drei Minuten später staubte Mats Pannewig nach einer Ecke zum 3:2 ab. Aus Frust wurde Rausch, aus Nervosität pure Energie – ein Doppelschlag, der das Stadion explodieren ließ.
Bochums Trainer Uwe Rösler brachte die Gefühlslage nach dem Abpfiff auf den Punkt:
„Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft, dass wir das Spiel heute für uns entschieden haben. Wir haben einen Weg gefunden zu gewinnen und haben viel Energie gezeigt. Es war ein sehr unterhaltsames Spiel, 20:30 Uhr zur Primetime. Das war gute Werbung für die 2. Bundesliga.“
Vor allem die erste Halbzeit hat ihm imponiert: „Wir schießen ein super herausgespieltes Tor, hatten weitere Möglichkeiten. Zur Halbzeit waren wir über das 1:1 enttäuscht, wir hatten das Gefühl, dass wir höher hätten führen müssen.“
Und dann fiel der Satz, der diesen Abend perfekt zusammenfasst: „Durch die Rudelbildung haben wir im Nachgang nochmal Energie bekommen, auch die Einwechslungen haben uns geholfen. Am Ende haben wir mit allem, was wir haben, verteidigt und gewonnen.“
Auch Siegtorschütze Mats Pannewig zeigte, wie groß der Druck auf dem VfL vor diesem Abend gewesen war. „Wir haben Kaiserslautern nicht so defensiv erwartet und dachten, dass es eher Angriffsfußball von ihnen wird. Das war nicht der Fall. Das haben wir so angenommen, viel mit dem Ball gespielt und viele Chancen herausgespielt.“ Besonders bemerkenswert: Trotz des zwischenzeitlichen Rückstands verlor Bochum intern offenbar nie den Glauben.

Der glückliche Torschütze Pannewig sagte anschließend in der Mixed-Zone: „Ich hatte in keiner Sekunde das Gefühl, dass wir das Spiel nicht noch drehen können. Nach einer so langen Serie an Unentschieden und zuletzt mit der Niederlage war das Spiel heute wegweisend. Man hat den Druck gespürt und daher ist es umso schöner, dass wir das Spiel gewinnen konnten. Das ist ein Aufschwung. Daran wollen wir anknüpfen und weiter machen.“
Bochum verschafft sich im Tabellenkeller spürbar Luft und erobert mit den Bochumer Tugenden vor allem eines zurück: glückliche Fans und den Glauben an die eigene Stärke.
Foto: Sebastian Sendlak