Noch ist beim VfL Bochum nichts passiert. Noch steht der Verein nicht auf einem Relegationsplatz, noch ist der Klassenerhalt mehr als möglich. Aber die heutige Niederlage gegen Holstein Kiel ist ein lautes Warnsignal. Denn was vor wenigen Wochen noch wie ein beruhigendes Polster wirkte, schmilzt inzwischen Spieltag für Spieltag zusammen.
Bochum hatte dieses so wichtige Kellerduell eigentlich im Griff. Mehr Ballbesitz, mehr Druck, mehr Dominanz. Aber was bringt die Kontrolle, wenn am Ende wieder keine Punkte auf dem Konto landen? Gegen Kiel zeigte der VfL genau das Problem, das im Abstiegskampf tödlich ist: vorne bemüht, hinten zu anfällig, in den entscheidenden Momenten zu naiv.
Drei Gegentore gegen einen direkten Konkurrenten, dazu ein Platzverweis für Matus Bero – bitterer kann man sich ein Sechs-Punkte-Spiel kaum aus der Hand nehmen. Philipp Hofmann stemmte sich mit seinem Doppelpack noch gegen die Pleite, doch selbst das reichte nicht. Bochum war spielbestimmend, Bochum war engagiert, aber Bochum war am Ende vor allem eines: wieder einmal ohne Ertrag.
Und genau das muss dem VfL wirklich Sorgen machen. Denn im Tabellenkeller zählen keine guten Phasen, keine gefühlte Überlegenheit und keine anerkennenden Worte für einen „eigentlich ordentlichen Auftritt“. Es zählen nur Punkte. Und davon holt Bochum im Moment viel zu wenige. Nur ein Sieg aus sieben Spielen – das ist keine Delle mehr, das ist ein negativer Trend.
Trainer Uwe Rösler spricht von fehlender Aufmerksamkeit, von schwacher Entscheidungsfindung, von Problemen im Defensivverhalten. Alles richtig. Aber die Wahrheit ist auch: Die Zeit für Erklärungen wird knapper. Der Abstand nach unten wird kleiner, die Nerven werden dünner, der Druck steigt.
Noch ist nichts passiert beim VfL. Aber wenn Bochum weiter so fahrlässig mit seinen Chancen umgeht, dann ist es bald passiert. Und dann wird aus einem schmelzenden Polster ganz schnell ein echter Absturzkampf.

Uwe Rösler muss sich daher etwas einfallen lassen – vielleicht hilft die anstehende Länderspielpause, um zu den passenden Lösungen zu kommen.

Und als wäre das Bochumer Frustpaket nicht schon groß genug gewesen, erwischte auch Schiedsrichter Patrick Alt einen schwachen Tag: keine klare Linie, keine überzeugende Zweikampfbewertung, zu wenig Autorität – und dazu ein Auftreten, das selbst bei dem VfL für Ärger sorgte. Maximilian Wittek brachte es hinterher auf den Punkt: Nicht die Fehler an sich seien das Hauptproblem gewesen, sondern die Art und Weise. Zu forsch, zu viel Schärfe, zu viel Zeigefinger – von einem erfahrenen Referee darf man schlicht mehr Souveränität erwarten.
Fotos: Sebastian Sendlak