Was für ein Drehbuch. Kaum war das Spiel gegen Fürth angepfiffen, da explodiert sehr zügig am Sonntag das Ruhrstadion. Nach nur 51 Sekunden war Philipp Hofmann (wer auch sonst) mal wieder zur Stelle: Wittek brachte den Ball rein, Fürths Ziereis rutschte weg, Stürmer Hofmann blieb eiskalt. 1:0!

Blitzstart für Bochum.
Hofmann selbst sagte nach dem Spiel: „So früh habe ich noch nie getroffen. Das Tor war enorm wichtig für unseren Start, das hat uns Aufwind gegeben.“ Genau das war zu sehen: Bochum war sofort drin, bissig, wach, heiß. Ein Treffer wie ein Befreiungsschlag.
Kurz zur Erinnerung:
Stürmer Hofmann, über den in der Hinrunde noch heftig von einigen VfL-Fans diskutiert wurde. Der Angreifer, dessen Vertrag schon im August bis 2028 verlängert worden war, was der Verein aber erst im Oktober offiziell machte. Der VfL habe die Verlängerung wochenlang nicht kommuniziert; begründet worden sei das unter anderem mit Hofmanns Formkrise und der insgesamt unbefriedigenden Lage der Mannschaft.
Damals brodelte es in Bochum. Die VfL-Fans hätten sich „verschaukelt“ gefühlt, die Vertragsverlängerung habe für Diskussionen gesorgt. In der Ostkurve gab es sogar ein Spruchband zur verschwiegenen Vertragsverlängerung. Klartext: Einige hätten Hofmann damals am liebsten vom Hof gejagt.
Und heute? Heute ist genau dieser Hofmann wieder Bochums Hoffnungsträger – von den VfL-Fans längst lautstark als „Fußballgott“ gefeiert.
Denn nach dem frühen 1:0 blieb der VfL zwar die bessere Mannschaft, verpasste aber die schnelle Entscheidung. Fürth lauerte, kam zu einzelnen Momenten, doch die Bochumer verteidigten lange zu null. Hofmann sagte anschließend: „Danach haben wir es ordentlich gemacht, bis auf ein, zwei Situationen kaum etwas zugelassen. Wir selbst hätten noch früher das 2:0 machen können.“
Das holte er dann selbst nach. Ecke. Hofmann steigt hoch. Kopfball. 2:0!
Plötzlich war aus dem kritisierten Problem-Stürmer wieder das, was Bochum im Abstiegskampf so dringend braucht: eine Lebensversicherung mit eingebauter Kopfball-Wucht.
Hofmann sagte: „Insgesamt war es ein verdienter Sieg. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann gut verteidigt. Kompliment an unsere Abwehrreihe, auch wenn es leider wieder nicht zu Null war.“
Dann eigentlich so wie immer: Der VfL machte es wieder Bochum-mäßig spannend.
In der 88. Minute traf Noel Futkeu zum 2:1. Fürth drückte noch einmal, der Mannschaft von Uwe Rösler wackelte, das Ruhrstadion zitterte. Aber diesmal fiel Bochum nicht um. Diesmal hielt der VfL den Sieg fest.

Trainer Uwe Rösler erklärte: „Dass wir trotzdem so früh in Führung gehen, war kein Zufall. Wir haben uns sehr gut vorbereitet, speziell gegen den Ball. Wir hatten uns einen Plan zurechtgelegt, gewinnen den Ball genau an der richtigen Stelle und machen durch unser Umschaltspiel das Tor.“
Rösler wusste aber auch: „Wir hätten es früher killen müssen.“ Genau das bleibt der kleine Makel an diesem wichtigen Nachmittag. Bochum hatte die Chance, den Deckel früher draufzumachen. Stattdessen wurde es hinten raus noch einmal ein Nervenspiel.
Trotzdem: Dieser Sieg kann Gold wert sein. Bochum gewinnt 2:1, machte einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt und steht nach nun mit sechs Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone da.
Und Hofmann? Der bleibt trotz Doppelpack vorsichtig: „Es sieht jetzt natürlich sehr gut aus bei noch drei Spielen, aber durch sind wir damit noch nicht, weil fast alle da unten gewonnen haben.“
Jetzt wartet Bielefeld. Wieder Kampf, wieder Druck, wieder Abstiegskrimi. Hofmann fordert: „Jeder muss nochmal eine Schippe drauflegen, mit Emotionen spielen und alles reinhauen.“
Die Pointe dieses Bochumer Nachmittags ist trotzdem schon geschrieben: Der Mann, den manche im Herbst loswerden wollten, ist im Frühling plötzlich der Mann, der Bochum am Leben hält. Erst heimlicher Vertrag, dann offene Kritik, jetzt offener Jubel.
Philipp Hofmann ist zurück. Und Bochum kann ihm dafür verdammt dankbar sein.
Fotos: Sebastian Sendlak